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| | form+zweck 13 Fünf Ebenen eines Augenblicks:
Reichtum
Gewöhnlich ist eine Auffassung von Reichtum, die ihn als ein Produkt, als ein
Ergebnis von Mehrproduktion auffaßt. Im Kern aber ist Reichtum wie Vermögen
und Eigentum ein Verfügungsvorgang, ein Verhältnis zum Mehrprodukt. Man
kann Gemeinschaften an den Verhältnissen des Reichtums untersuchen. In der
griechischen Polis zum Beispiel gehörte eine Vermögensabgabe zu den
staatsbürgerlichen Pflichten der Besitzenden. Wer besitzlos war, wurde zum
Ruderdienst in der Flotte verpflichtet. Diese verschiedenen Formen der
Vermögensabgabe nannten sich leitourgía. Der sakrale Begriff der Liturgie
stammt daher. In der archaischen und frühklassischen Zeit geben die Herrschenden
von sich aus Vermögen an die Polisgemeinde ab, die sie wirtschaftlich und politisch
beherrschen. Nach den perikleischen Reformen, die die Aristokratie entmachten und das
Volk politisch legitimieren, mußten die Besitzenden Vermögen an eine Polis
abgeben, die nicht mehr sie, sondern der Demos beherrschte.
» Deshalb spricht man noch in der Zeit des Demosthenes, wenn
›Über das vorhandene Geld‹ beraten wurde, sogleich vom
›Empfangen‹, das heißt vom Verteilen an das Volk, wie schon vor
Themistokles öffentliche Mittel verteilt wurden. ... Das von einem Autor des 4.
Jahrhunderts entwickelte Projekt einer allgemeinen Volksrente ist nur die letzte Konsequenz
dieses ausgeprägten Konsumdenkens.
Die Liturgiereformen und
ähnliche finanzpolitische Maßnahmen erforderten einen zunehmend
stärkeren Verwaltungsapparat, der dem Wesen der Polis fremd war und die
demokratía immer mehr aushöhlte. Wenn die Entscheidungen des Demos
von den Gutachten der Verwaltungsfachleute und Finanzpolitiker abhängig gemacht
wurden, befand man sich auf dem Wege zum Verwaltungsstaat von Berufspolitikern, in dem
das Volk aus seiner maßgebenden Rolle verdrängt und zum bloßen Objekt
der Politik gemacht wurde. [So war die förmliche Abschaffung] der
leitourgíai unter der Finanzverwaltung des Demetrios von Phaleron (317-307)
der folgerichtige Abschluß der vorangegangenen Entwicklung.
Der
soziale und politische Vorgang, der dem Ende des Liturgiesystems zugrunde liegt, war die
Auflösung der demokratía. ... Je mehr sich das Schwergewicht der
Staatsführung auf die ›Technokraten‹ der Finanzverwaltung und der
anderen Ressorts verlagerte, um so bedeutungsloser wurde die politische
Selbstbestimmung des Volkes.
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Fraktal Siegfried Lauffer
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