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form+zweck 13 Fünf Ebenen eines Augenblicks:
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» Abdallah Ibn Abdelaziz, am Montag ›vorübergehend‹ mit den
Regierungsgeschäften betrauter Kronprinz, mußte bei der ersten von ihm
geleiteten Kabinettssitzung mit dem Budget für 1996 ein Milliardendefizit und
Sparmaßnahmen verkünden. Doch der in der Bevölkerung wachsenden
Beliebtheit dieses Mannes werden selbst unpopuläre Schritte kaum schaden.
Anders als sein Halbbruder König Fahd, der den weltlichen Verlockungen nicht
widerstehen konnte, lebt Abdallah selbst nach den strengen saudischen
Maßstäben gottesfürchtig und zurückgezogen. Sein sittenstrenges
Leben zeigte sich zuletzt Anfang Dezember 1995, als der Thronfolger an Stelle des schwer
erkrankten Königs zur Jahrestagung des Golf-Kooperationsrates nach Maskat reiste.
Während bei früheren Gipfeltreffen die saudische Delegation weniger durch
Ideenreichtum, eher durch hohe Rechnungen für alkoholische Getränke
aufgefallen war, hatte Abdallah vor der Landung mit leiser Stimme befohlen: ›Wir
wachen über die heiligen Stätten, verhaltet euch dessen würdig.‹
Diese Äußerung des als Autorität geachteten Mannes genügte, um
die Delegierten zu vorbildlichem Verhalten zu bewegen. Im Gegensatz zu Fahd gilt Abdallah
als durchsetzungsfähig.
Wie auch Fahd ist Abdallah einer der zahlreichen Söhne des Gründers des
wahabitischen Königreiches Abulaziz Ibn Saud. Da es zu Beginn dieses Jahrhunderts
nicht zu den Gepflogenheiten der in bitterer Armut lebenden Beduinenfamilien
gehörte, Geburtsdaten auf Schriftstücken festzuhalten, schwanken die Angaben
über die Geburt Abdallahs zwischen 1921 und 1924. Anders als Fahd verbrachte
Abdallah die meiste Zeit seiner Jugend mit dem Studium religiöser Schriften: Eine
Ausbildung im westlichen Sinne blieb ihm verwehrt. Dem Einfluß der islamischen
Rechtsgelehrten in seiner Jugend ist es wohl zu verdanken, daß er seinem Leben die
traditionellen beduinischen Lebensformen bewahrt hat. Mindestens einmal in der Woche
empfängt er Hunderte Saudis in seinem Palast, neigt sich einem nach dem anderen
für einige Minuten zu und nimmt Bittgesuche entgegen. Eine der Stärken des
unter einem Sprachfehler leidenden Mannes ist das Zuhören.
Im Gegensatz zu den meisten Mitgliedern der Königsfamilie hat er keine
Paläste am Genfer See, in Spanien oder an der Côte d’Azur. Niemals
tauchte er in den Schlagzeilen der Boulevardpresse auf. Vor allem in der einfachen
Bevölkerung, die unter Arbeitslosigkeit und Inflation leidet, ist seine Beliebtheit von
Jahr zu Jahr gewachsen. In dem strenggläubigen Obrigkeitsstaat, in dem Parteien,
Gewerkschaften, Alkohol und Satellitenfernsehen verboten sind, hatte sich seit dem
Golf-Krieg der Unmut über Korruption und Verschwendung innerhalb des
Königshauses gemehrt. Zugleich ertönt immer lauter die Stimme jener
fundamentalistischen Opposition, die auf dem saudischen Thron einen bescheidenen
Herrscher sehen will.
Hinter den Kulissen tobt derzeit ein Machtkampf um die Nachfolge König Fahds.
Insgesamt 26 Söhne des Staatsgründers Ibn Saud leben heute noch. Fast jeder
von ihnen drängt an die Spitze. Nicht nur weil Abdallah den Vereinigten Staaten kaum
Sympathien entgegenbringt und die amerikanischen Ausbilder der von ihm befehligten
Nationalgarde selbst im Dienst Zivilkleidung tragen müssen, wird man in Washington
den Machtzuwachs des Thronfolgers nicht lauthals bejubeln. «
Fraktal Udo Ulf Kotte
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