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| | Fünf Ebenen eines Augenblicks: wählen
»Jeder der Gegenstände des praktischen Gebrauchs ist für sich
genommen zunächst einfach. Mit Ausnahme bestimmter Gegenstände, deren
Aneignung mit einer großen finanziellen Belastung verbunden ist, weist er
vordergründig auf keine besondere menschliche Problematik. Die Tasse zum Trinken,
der Löffel zum Schöpfen, das Bett zum Liegen, der Kamm zum Kämmen.
Aber als Ganzheit der Gegenstände eines Individuums objektivieren sie zugleich ein
existentielles Drama. Der eine Gegenstand ist die Entsagung eines anderen. Das bedeutet
im bestehenden Verhältnis nicht nur versagten tätigen Gebrauch und konkreten
Genuß, sondern auch eine in den Gegenständen vorgestellte Differenz zu
anderen Individuen. Die Gegenstände stehen für die Konflikte der in engerer
Gemeinschaft lebenden Menschen, auch für ihren Zusammenschluß. Sie haben
in ihrem Gegenstand schließlich nicht nur den Widerschein des so entsagten
anderen, im besonderen, doch nicht im Ausnahmefalle, auch den des im Gegenstand
versagten anderen Menschen. So steht er etwa für das zweite oder dritte Kind und
zeichnet den Weg des Alten ins Altersheim. Der in seiner bloß technischen und
praktischen Ästhetik erscheinende Gegenstand wirkt hier leicht zynisch, er verweigert
nicht nur Erinnerungen, sondern erinnert an die Möglichkeiten eines anderen noch
unerfüllten Lebens und stört. Für die Faszination der Einfachheit
des Praktischen ist noch kein dauerhaftes Organ gebildet. So tritt wieder das
Verklärungszeichen, das Ornament, an den Gegenstand, hebt ihn vom Reich des
Praktischen wenigstens etwas ab, weil sein Subjekt dort noch nicht ganz angekommen
ist.« Fraktal Lothar Kühne
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