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| | Olaf Wørdehoff Zwischen Tür und Angel
›Freelancer‹ – ein Wort, euphorisch genug, um das Gestalterdasein nach Abenteuer klingen zu lassen. Allerdings ist die
Ungebundenheit, die darin mitschwingt, kein Glück, das gesucht, sondern ein Umstand, der hingenommen wird. Seit die Gestalter
immer mehr und die Aufträge immer weniger werden, beginnen die allermeisten Absolventen ihren Berufsalltag in prekären
Verhältnissen. form+zweck hat ›Freie‹, ›Freischaffende‹ ebenso wie ›Feste Freie‹ befragt nach den Wirklichkeiten ihrer
gegenwärtigen Gestaltungsarbeit, nach den Schwierigkeiten, einerseits das Leben mit der Arbeit zu verbinden, weil Projekte ohne
volles Engagement, ohne Freunde, ohne Selbstausbeutung, ohne Szene, einfach nicht gut gehen, und andererseits das Leben vor
den Jobs zu schützen, weil diese nur auf die Kosten von jenem gehen.
Olaf Wørdehoff, 45 1977 Schlossergeselle;
1982–1984 Grundstudium Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Münster; 1984–1986 Hauptstudium
Geschichte an der Universität Hamburg; 1985–1991 Designstudium an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg; 1991–1993
freiberufliche Gestalter-tätigkeit; 1992, Aufbau und Leitung Bildproduktion des Redaktionsbüros bac-meister; seit 1993
freiberufliche Tätigkeit als Designer, Bühnenbildner, Lichtplaner; 1996–1997 Honorartätigkeit als Erzieher; 2002–2004 Aufbau
und Leitung der Galerie 59-1
form+zweck: Bist Du nach dem Studium schon mal Taxi gefahren, um Geld zu verdienen?
Wørdehoff: Nein, nie. Nach dem Studium habe ich als erstes als Bildredakteur bei einem Heimwerkersammelmagazin
Basteln nach Bilderabfolgen gearbeitet. Ich bin im Bewerbungsgespräch sofort von einer Werkstatthilfe zum Leiter der Abteilung
Bild aufgestiegen. Da war die Bildproduktion etwa ein halbes Jahr im Rückstand. Nach einem halben Jahr hatte ich die Zeitmarke
überholt. Ich habe in dieser Zeit Räume, die eine Mischung aus Werkstatt und Abstellraum waren, in drei funktionierende
Fotostudios umgewandelt und ein System von Lagerhaltung eingeführt, das für die Fotoproduktion sinnvoll war. Bis zu meinem
Eintritt machten die Redakteure die Fotoproduktion mit, aber wenn Wortleute Bilder mitmachen, dann muss das nicht unbedingt
einleuchtend und nahe liegend funktionieren. Es ging nicht nur darum, Bilder zu produzieren, sondern auch darum, aus der
Industrie welche zu besorgen, weil das billiger war, als sie selbst zu produzieren. Und bei einem Heimwerkermagazin sind
Firmen, die Bohrmaschinen produzieren, bestens gelaunt, wenn man sie fragt. Sie wollen gerne ihren Namen als Quelle unter
einem Foto haben.
form+zweck: Hast du dir die Arbeit nach dem Studium so vorgestellt?
Wørdehoff: Ich hatte
gar keine richtige Vorstellung. Was ich nicht machen wollte, wusste ich gut. Ich wollte nicht als angestellter Designer arbeiten, bei
braun zum Beispiel. Ich meinte die Erkenntnis gewonnen zu haben, als ich an der Hochschule Anfang der neunziger Jahre fertig
war, dass die Zeit lange vorbei war, in der ein Designer in die Industrie drängen und sagen konnte: »Ich hab hier was für euch«.
Das hatte sich gewandelt: Designer bekamen von Designmanagern oder Produktmanagern einen Arbeitsauftrag, der sich dann so
anhörte: »Die Firma xy hat eine Kaffeemaschine und rollt jetzt den Markt auf. Machen Sie mir mal in zwei Monaten zwei oder drei
Muster in Form und Farbe, die so ist wie die von xy, aber anders aussieht und zu dem und dem Preissegment gehört.«
form+zweck: Kennzeichnete deine Einstellung schon die Psyche deiner Generation?
Wørdehoff: Das weiß ich
nicht.
... lesen Sie weiter in form+zweck 21: entwerfen ...
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